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Jubiläumsveranstaltung zum 10jährigen Bestehen der SHG Morbus Bechterew Zeitz

Am 31. März 2003 trafen sich in der Selbsthilfekontaktstelle Am Kalktor in Zeitz sieben Zeitzer zu einer Informationsveranstaltung über Morbus Bechterew. Das dies auch das Gründungsdatum der Zeitzer Selbsthilfegruppe sein würde, war schnell abzusehen. 10 Jahre ist dies nun schon her. Wo ist die Zeit hin?? Die damaligen Gründungsmitglieder (Hans und Klaus Berger, Inge Zacharias, Rainer Freyer, Günther Holluba und Petra Reigber) sind heute noch zum großen Teil in unserer Gruppe vertreten und halten das Gruppenleben durch ihre aktive Mitarbeit immer noch am Laufen.

Aus Anlass unseres großen Jubiläums gönnten wir uns eine ganz besondere Studien-und Entdeckungsreise. Wir wollten vom 26. bis 29. April 2013 mit 2 Kleinbussen, welche wir von der MIBRAG und den Stadtwerken Zeitz gesponsert bekommen haben, mit 17 Leuten nach Bärenfelsreisen. Bevor wir jedoch auf große Fahrt gingen, hieß es endgültig Abschied von unserem lieben Weggefährten Rainer Freyer zu nehmen. Rainer war am 01.03.2013 verstorben und sollte an diesem Tag seine letzte Ruhestätte auf dem Zeitzer Michaelisfriedhof finden. Es war für uns selbstverständlich, dass wir ihn und seine Frau auch auf diesem letzten Weg begleiten würden. Nach der Beisetzung ging es mit ein wenig gedrückter Laune los Richtung Erzgebirge. Rainer hätte auf keinen Fall gewollt, dass wir traurig wären oder gar die Reise absagen würden. Unsere Sponsoren Gerda und Mario Gierl und Hans Schöbel fuhren uns sicher zu unserem Ziel. Der Kurort Bärenfels ist übrigens ein Ortsteil der sächsischen Bergstadt Altenberg inmitten einer herrlichen Mittelgebirgslandschaft eingebettet in den Wald im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Dort angekommen wurden wir herzlich empfangen und bezogen als Erstes unsere Zimmer. Der Ausblick aus unserem Zimmer war atemberaubend. Die Sonne schien und das Wochenende konnte damit beginnen. Nach ein wenig Erholung fanden wir uns zum Abendessen ein und endlich traf auch unser zweites Gästepaar ein, der Landesvorsitzende unseres Vereines Klaus Siebenbrodt mit Lebensgefährtin. Es gab ein herzliches Hallo und man stellte entsetzt fest, dass der letzte Zimmerschlüssel fehlte. Naja, nicht ganz so wild: Es gab eine super bequeme Couch auf dem Flur. *grins*. Nein, am Ende durften die beiden dann doch ihr Zimmer beziehen. Wozu gibt es denn Ersatzschlüssel?? Aufgrund des Wetters verzogen wir uns bald nach draußen auf die Terrasse und genossen die wärmenden Sonnenstrahlen bis in den späten Abend hinein. Natürlich mussten wir uns irgendwann mit Jacken und Decken versorgen. So heiß, war die Sonne leider doch noch nicht.

Der nächste Morgen stellte nun das erste richtige Highlight an diesem Wochenende dar. Wir fuhren nach dem Frühstück wegen etwas schlechterem Wetter (aber vor allem wegen dem blöden Nebel) nicht in den Tierpark sondern ins Besucherbergwerk „Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald“. Unser Obersteiger begüßte uns mit dem Bergarbeitergruß „Glück auf“ Dies bedeutet auch heute noch: „Glück tue die Gänge auf und schenke uns gute Erzfunde.“

Bei unserem Ausflug in die Tiefen des Besucherbergwerkes erlebten wir die erd- u Bergbaugeschichte des Osterzgebirges hautnah. Der Stollen, in welchen wir einfuhren, war der Tiefe Bünau Stolln, welcher 1686 aufgetan wurde. Es war ein weit verzweigtes Bergwerk und die Temperatur betrug zwischen 8 und 10 Grad Celsius. Allein hätten wir uns sicher nicht durch die etwa 3 km langen, niedrigen und engen Gänge zurecht gefunden. So manches Mal mussten wir in gebückter Haltung gehen und stießen uns deshalb dann und wann den Kopf. Das Gehen in dieser Zwangshaltung war für manchen Bechti unter uns eine ganz schöne Strapaze. Aber wir hatten es ja so gewollt. Immerhin erhielten wir zu Beginn der 90 minütigen Führung jeder ein eigenes Grubenlicht, welches unter den Bergleuten Geleucht genannt wird, und waren dann unterwegs zeitweise wegen fehlender elektrischer Beleuchtung froh, dass wir unsere Leuchtwürmchen hatten.

In diesem Bergwerk wurden Zinnerz, Wolfram und Lithiumglimmer zumeist in Handarbeit abgebaut. Die Flöze sieht man auch heute noch an einigen Stellen ganz deutlich. In den Tiefen des Berges gibt es sogar riesige Höhlen (z.B. die Reichtroster Weitung mit Bergsee). Außerdem kann man hier unten sogar richtig gut feiern. Wir mussten den großen Raum leider schnell verlassen, da an diesem Tag tatsächlich eine Festivität anstand. Naja, aber da wir auch noch das Nachbarland kennenlernen wollten, marschierten wir weiter (natürlich unterirdisch) Richtung tschechischer Staatsgrenze. An dieser Stelle stehen Tafeln, die auf die Grenze hinweisen. Wir hätten ohne Weiteres dort hinüber gehen können. Leider ist der Stollen aber nicht mehr begehbar. Schade!! Wir machten uns dann auf den 3 km langen Rückweg und ich verlor mal wieder total die Orientierung. Nur gut, dass wir eine ganze Menge Leute waren, die alle schön im Gänsemarsch hintereinander her liefen.

Wieder oben angekommen, hatte sich das Wetter leider nicht wirklich verbessert. Es war immer noch total neblig und es nieselte nun auch noch. Soo ein Mist! Auf dem Weg zu unserer nächsten Station versuchten wir bei diesem recht dichten Nebel eine Gaststätte zu finden, in welcher wir einkehren und uns stärken konnten. Unsere Suche blieb leider erfolglos uns so gönnten wir uns eine leckeres Stück Kuchen und eine schöne, heiße Tasse Kaffee von der Bäckerei Bärenhecke. Vor der Tür des Nettomarktes, in welchem der Backshop war, fanden wir nun auch die ersten Regenschlangen. Das hieße also, das es weiter regnen würde. Was solls, wir ließen uns die Laune doch nicht vom Wetter verderben!

Am Nachmittag stand dann eine Kremserfahrt Richtung Kahlebergbaude in 905 m Höhe mit Reinhard Höhnel auf dem Plan. Aber leider war die Sicht aufgrund des tollen Nebels nicht wirklich toll. Auf der insgesamt 2stündigen Fahrt hatten wir aber trotz allem unseren Spaß, sangen Volkslieder (die habe ich zuletzt in meiner Jugendzeit gesungen!!) und der ein oder andere hielt sogar ein kleines Mittagsschläfchen.

Im Hotel angekommen nutzen wir die Zwischenzeit, um die hauseigene Sauna zu testen und uns ein wenig auszuruhen. Am Abend fand dann ein kleiner, aber feiner Festakt statt, an welchem wir unseren Mitgliedern und vor allem aber Freunden für Ihre Arbeit dankten und zeichneten Inge, Klaus, Günther, Viola und Petra mit einem Präsent und einem Blumensträußchen aus. Damit sichern wir uns hoffentlich weiterhin ihre Mitarbeit bei vielerlei Sachen wie der Verwaltung der Finanzen, der Gruppenführung oder der Organisation der Therapien und derartiger Veranstaltungen. Wolfgang fasste dann die schönsten Momente unseres 10jährigen Bestehens zur Krönung dann auch noch in einer Präsentation zusammen. Wir schwelgten in Erinnerungen und so manches, bereits Versessene kehrte wieder in unser Bewusstsein zurück und wir versprachen uns einmündig, auch weiterhin so eine dufte Truppe bleiben zu wollen, in welcher sich jeder auf jeden verlassen kann und immer jemand da ist, mit wem man einfach nur reden und sein Herz ausschütten kann. Auch an diesem Abend wurde es recht spät. War ja nicht anders zu erwarten.

Am nächsten Morgen ging es nach einem ausgiebigen Frühstück in die Badelandschaft Raupennest in Altenberg. Hier erwarteten uns insgesamt 8 verschiedene Becken, die wir alle (bis auf das Kinderbecken) ausprobierten. Die Wassertemperatur lag dabei bei kalten und 27 und super tollen 36 Grad Celsius. Einige von uns nutzen auch hier die Saunalandschaft aus und besuchten uns dann später in den Wasserbecken, um sich ein wenig abzukühlen. Wir testeten die verschiedenen Becken aus. Es gab da ein Schwimm- und Gymnastikbecken, ein Therapiebecken, ein Massage-, Sitz- und Liegebecken, Luftmassagebecken, einen Medizinisches Strömungskanal. Das Außenbecken war mir zu kalt, aber Heißwhirlpool entsprach genau meiner Badetemperatur. Die Zeit verging mal wieder wie im Flug und es wurde Zeit, das Bad wieder zu verlassen.

Wieder zurück im Hotel beschlossen wir kurzer Hand, die Gegend unsicher zu machen und den kleinen Ort endlich zu erkunden. Bärenfels ist ein kleines, verträumtes Dörfchen und hat einen wunderschönen Kurpark und viele andere kleine Highlights. So entdeckten wir das Meißner Porzellanglockenspiel. Täglich erklingen hier durch 25 Glocken aus Meißner Porzellan erzgebirgische Heimatlieder, Volkslieder und zur Weihnachtszeit entsprechende Winterlieder. Wir nutzten die Gunst der Stunde und die des Wettergottes und genossen die sauberen Klänge der Glöckchen. Danach eroberten wir das Eiscafe Sator und wurde unter anderem vom Brennendes Venedig, Wurzelpeter, Cristalberry und Süßen Traum verführt.

Am Abend hatte unsere Petra als kleine Überraschung ein Spiel vorbereitet. Wir würfelten um die Wette und schlugen uns um Preise wie Eierbecher, Klobürsten, Windräder und lauter solche Sachen. Gegen 20 Uhr stand uns ein weiteres Highlight bevor. Der Abend gehörte ab diesem Zeitraum Jürgen Schramm und seinem Partner Kai. Sie hatten die verschiedensten Gäste „eingeladen“. So war bspw aus „Bauer sucht Frau“ der Sepp mit seiner Flamme Annemarie dabei. Aber auch das liebe Baby Felix und sogar Rotkäppchen ließen sich blicken. Der eigentliche Höhepunkt war jedoch das aus 27 Bronzeguss-Glocken in Form eines Weihnachtsbaumes bestehende Glockenspiel, auf welchem Lieder der Volksmusik und des Schlagers zu neuem Leben erwachten. Beim Lied „Glück auf! Der Steiger kommt“ standen dann alle auf und sangen kräftig mit. Mir lief es eiskalt den Rücken hinunter, so schön klangen die Glocken. Es ist bestimmt nicht einfach, jeder der verschiedenen Glocken den richtigen Ton zu entlocken. Schade, dass die Vorstellung nur ca eine Stunde dauerte!! Aber vielleicht ergibt sich ja irgendwann noch einmal die Möglichkeit für ein derartiges Konzert! Auf jeden Fall eine tolle Idee!

Am nächsten Morgen war nun die Zeit des Abschieds gekommen und wir mussten schweren Herzens unsere Koffer in die Kleinbusse verpacken und dann ging es auch schon nach Hause.

Ich möchte mich hier ganz, ganz herzlich für die perfekte Organisation des Wochenendes bei Viola bedanken. Auch unseren Sponsoren der MIBRAG, dem Autohaus Baumann und den Stadtwerken sowie Dr. Ulf Altmann und Fam. Mario Gierl für die finanzielle Unterstützung in all der Zeit danken. Ohne unsere Sponsoren wäre die Arbeit unserer Selbsthilfegruppe fast nicht mehr möglich, da sowohl die Krankenkassen als auch die anderen öffentlichen Geldgeber ihre Förderungen drastisch nach unten gefahren bzw ganz eingestellt haben.

Text: Ivonne Rammel

 
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