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Unsere Studien- und Entdeckungsreise im Thermalbad Wiesenbad vom 20. bis 22. Juli 2012

Unsere diesjährige Studienreise führte uns in einen kleinen Ort im Herzen des Erzgebirges, der in waldreicher Umgebung des schönen Zschopautales in 435 m Höhe gelegen ist: Das Thermalbad Wiesenbad.

In diesem malerischen Dörfchen befindet sich die Rehabilitationsklinik Miriquidi. Eigentlich ist die Klinik eine ziemlich große Anlage. Sie besteht aus dem Paracelsushaus, dem Arnoldhaus, dem Badehaus, dem Kurmittelhaus, dem Sophienhaus, dem Strümpelhaus und dem Brunnenhaus. Zum Gelände gehören auch noch der Kurpark mit Galerie, Shops, Kräuterkochstudio, Kurparkhalle, Kräuterladen und dem Kräuterrestaurant „Am Kräutergarten“. Zum Relaxen laden aber auch die Festwiese, die Klanginsel, die Bühne, der Bewegungsparcours, das Troparium und der Thermal-Kräutergarten ein.

Die erste der vier Thermalquelle (die Hiobsquelle) wurde bereits im Jahr 1501 gefunden und später kamen dann die Georgsquelle, die Friedensquelle und die Hoffnungsquelle dazu.

Das aus den Quellen gewonnene Thermalwasser wird hier in Verbindung mit der heilenden Wirkung regionaltypischer Kräuter im Gesundheitszentrum Miriquidi mit Kurklinik, Thermalbad, Thermal-Heilkräuter-Zentrum, Wandelhalle und Kurmittelhaus verwendet.

Wir reisten dieses Jahr aus organisatorischen Gründen alle einzeln an und wollten uns gegen 14:30 Uhr treffen. Da Ingo (mein Mann) und ich bereits nach 13:00 Uhr ankamen, erkundeten wir ein klein wenig den Ort auf der Suche nach einem kleinen gemütlichen Restaurant, in welchem wir zu Mittag essen konnten und kehrten daher im Gasthaus Wettin ein. Das Ambiente und auch der gute Service hießen uns auf herzlichste Willkommen und stimmten uns auf ein ruhiges, besinnliches Wochenende ein.

Nach dem Essen stiefelten wir glücklich und zufrieden in die Kurklinik Miriquidi zurück und bezogen unser Zimmer. Der Name Miriqidi bedeutet übrigens Dunkelwald. Obwohl, so dunkel kam uns dieser nun wirklich nicht vor.

16:00 Uhr sollte es dann in der sogenannten Wandelhalle mit einer Begrüßung incl. Thermalwasserausschank und einer kleinen Führung durch die Klinikanlage mit ihrem bezaubernden Kurpark losgehen. Bei unserer Führung gelangten wir in die verschiedensten Klinikbereiche. Das ein oder andere würden wir in den nächsten Stundenbzw. Tagen nch näher erkunden und testen können. Der Wellnessbereich mit seinen Zedernholzwannen gehörte leider nicht zu unserem Therapieprogramm an diesem Wochenende.

Nach unserer Führung war es dann Zeit, dass Gelände bis zum Abendessen selber zu erkunden. Dabei konnten wir uns auf die Freunde unter uns verlassen, die hier in diesen Räumlichkeiten bereits die ein oder andere Kur verlebt haben. Dabei kam so manche Geschichte aus der jüngsten Vergangenheit der Anlage zur Sprache. Um den Abend so richtig gemütlich ausklingen zu lassen, fielen wir in fast vollständiger Mannschaft (also mit etwa 15 Leuten) ins Cafe Sophie ein. Dieses hatte uns auf unserer Entdeckungstour bereits mit seinen bestimmt hundert Kaffeekannen in den Bann geschlagen. Hier musste man sich einfach nur wohlfühlen!

So fand der erste Abend einen besinnlichen Abschluss und es konnte eine ruhige erholsame Nacht folgen.

Nach unserem gemeinsamen Frühstück versammelten wir uns sportlich gekleidet, um gemeinsam die Physiotherapeutin im Bereich der Trockengymnastik in Beschlag zu nehmen. Sie brachte uns mit ihren Übungen ganz schön ins Schwitzen. Aber trotzdem blieb noch genug Zeit und Luft, um herzlich über uns und unsere Qualitäten zu lachen. Oh Mann, bin ich eingerostet…

Nur gut, dass wir uns nach dieser anstrengenden Tätigkeit in wohlig warme, unter Wasserdampf erhitzte Schaffwolldecken einpacken lassen und vor uns hin träumen konnten. Diese Behandlung nennt sich Kenny-Packung und ist die Spezialität des Hauses benannt nach Sister Kenny. Sie geht auf die australische Krankenschwester Kenny zurück, die die Schafwolldecken bei der Behandlung von Kinderlähmung einsetzte. Die erste Kenny-Packung wurde in Wiesenbad schon in den 1970er-Jahren verordnet, ebenfalls zur Behandlung von Kinderlähmung. Heute werden verschiedene rheumatische Erkrankungen und auch Arthrose mit der Kenny-Packung therapiert. Und genau das spürten wir dann auch. Als ich aus meinen Träumen geweckt wurde, fühlte ich mich nicht nur erholt. Nein, ich hatte das Gefühl, dass sich auch meine Verspannungen aufgrund der Büroarbeit ein wenig gelöst hatten. Gut, könnte auch Einbildung gewesen sein. Aber man sagt ja nicht umsonst, dass der Glaube Berge versetzen kann.

Nach diesem äußerst gemütlichen Teil wollten wir uns nun bei einem 3-Gänge-Kräutermenü im Kurparkrestaurant „Am Kräutergarten“ verwöhnen lassen. Zuerst beschnupperten wir aber noch das Kräuterkochstudio und auch den kleinen, lieblichen Kräuterladen, in welchem wir die ein oder andere Leckerei für zu Hause mitnehmen konnten. Unser Menü im Restaurant war für mich eine richtige Entdeckungsreise. Es gab Wildkräutersalat oder ein Kerbelrahmsüppchen als Vorspeise. Dann folgte entweder ein FISCH auf Zuccini-Nudeln oder Geflügelspieße mit Kartoffelhaube an Letscho. Zum Nachtisch gab es Limonencreme an Granatapfel und Orangen-Thymian-Sauce

Nach diesem leckeren Mittagsmahl mussten wir uns aber schleunigst wieder in die Kuranlage begeben. Es war keine Zeit, da wir bereits um 14:30 Uhr zu einem Vortrag über die Kur- und Rehaklinik erwartet wurden. Unsere Referentin nahm uns diesen kleinen Faupaux jedoch (zum Glück) nicht weiter übel und zog uns mit ihren Ausführungen über die Geschichte und Entwicklung dieses Ressorts in den Bann. Die Zeit verging auch hier viel zu schnell. Sicher hätte sie uns noch viel mehr erzählen können. Naja, wir können ja nochmal hinfahren und dann eine Fortsetzung verlangen…

Nach dem Vortrag gönnten sich einige von uns ein Verdauungsschläfchen, einige begaben sich auf Entdeckungsreise in den nahegelegenen Kurpark mit der Klanginsel und einem Bewegungsparcours und der Rest fand sich gleich in der zur Kinik gehörenden Therme Miriquidi ein. In der ausgesprochen schön gestalteten großen Halle der Therme befinden sich drei Becken: Bewegungsbecken mit 31°C Wassertemperatur, Therapiebecken mit 35 °C und ein Strömungsbecken mit 35°C. Außerdem gibt es ein großes Freibecken im Außenbereich mit 33 °C.

Das hier verwendete Thermalwasser ist das natürliche Heilmittel von Thermalbad Wiesenbad - es ist flourid- und kohlensäurehaltig und soll einen entspannenden und entzündungshemmenden Effekt haben. Dies können wir nur voll bestätigen.

Sogenannte Badeattraktionen sind Sprudelliegebänke, Nackenduschen, Bodensprudler, Massage- und Strömungsdüsen. Die zahlreichen Unterwasserscheinwerfer verleihen der Therme besonders nach Sonnenuntergang ein reizvolles geheimnisvolles Flair.

Die Sauna bietet eine Dampfgrotte und eine "normale" Aufgusssauna. Dieser Bereich ist für sich genommen nichts besonders Aufregendes, stellt aber eine willkommene und sinnvolle Ergänzung zum eigentlichen Bad dar.

Da das Abendessen rief, durften wir uns hier momentan nicht zu lange aufhalten. Wir beschlossen jedoch dieses erholsame Fleckchen spätestens am nächsten Morgen vor unserer Heimreise nochmals aufzusuchen!!

Nach dem Essen spazierten wir alle gemeinsam in das oben erwähnte Gasthaus Wettin und genossen den Abend mit verschiedensten Spielen und hatten dabei einen Riesenspaß.

Tja und nach diesem Abend folgte wie immer eine Nacht und dann stand schon der Morgen des Abschiedes vor der Tür.

Einige genossen nochmals die Therme und der Rest nutzte den Tag für einen kurzen Ausflug in die Tschechei bevor sich dann alle auf den Weg Richtung Heimat machten.

Es war ein sehr ereignisreiches und auch überaus erholsames Wochenende und ich möchte mich im Namen aller Mitstreiter bei unseren Organisatoren bedanken, ganz besonders bei unserer Viola.

Ivonne Rammel

 
 
Vortrag von Dr. B. Goedeke über rheumatische Erkrankungen und Schmerzen

Interessierte Bürger aus Zeitz und Umgebung kamen im Friedenssaal des Zeitzer Rathauses auf Einladung der Selbsthilfegruppe Morbus Bechterew und der Selbsthilfekontaktstelle des Burgenlandkreises zu einem Vortrag über Methoden der Schmerzbekämpfung zusammen

Am 08.10.2012 um 15:00 Uhr hielt Frau Dr. Bärbel Goedecke im Friedenssaal des Zeitzer Rathauses einen Vortrag zum Thema „Schmerzen – Möglichkeiten der Therapie“. Eingeladen hatte die Zeitzer Selbsthilfegruppe der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB) gemeinsam mit der Selbsthilfekontaktstelle Burgenlandkreis in Zeitz. Untern den etwa 50 Gästen befanden sich nicht nur Mitglieder verschiedener Selbsthilfegruppen sondern auch Betroffene, die der Schmerz als ständiger Begleiter ebenfalls seit Längerem, meist sogar seit vielen Jahren im Griff hat.

In ihrem Vortrag machte Fr. Dr. Goedeke deutlich, dass Schmerzen eigentlich etwas Positives sind. Weisen sie uns doch darauf hin, dass mit unserem Körper irgendetwas nicht in Ordnung ist. Sie fördern sogar die Heilung des „Schadens“ durch eine entsprechende Schonhaltung, die wir – oft auch unbewusst - einnehmen. So ist der Schmerz eigentlich überlebenswichtig, würden doch schwerste Verletzungen oder gar eine unentdeckte Blinddarmentzündung durchaus auch heute noch zum Tod führen.

Andererseits jedoch – so stellte die Referentin heraus – kann chronischer Schmerz auch Leben zerstören bzw. auch jeden Fall die Lebensqualität drastisch verringern. Er kann unser Denken, Handeln und Fühlen bestimmen, kann uns das Lachen und die Hoffnung nehmen. Dadurch macht er hilflos uns einsam, drängt uns immer mehr in die Isolation. „Von einen chronischen Schmerz spricht man“, so Frau Dr. Goedeke, „wenn dieser länger als 3 Monate anhält und binnen Jahresfrist mehrmals wieder auftreten.“ Die ist sehr deutlich bei Rückenerkrankungen zu sehen. Durch den ständigen Schmerz wird eine Schonhaltung eingenommen. Durch diese Haltung entsteht eine Fehlbelastung im Körper und der Schmerz wird stärker. Der Betroffene gerät dadurch in einen Teufelskreis, aus dem er allein oft nicht mehr rausfinden kann.

Und so lautet wohl der sehnlichste Wunsch aller Betroffenen: „Oh Schmerz lass nach“. Doch niemand muss Schmerzen aushalten. Mit der richtigen, individuell auf den Patienten abgestimmten, Schmerztherapie lassen sich heute auch starke Schmerzen lindern. Dies zeigte die Ärztin in den folgenden Stunden auf.

Als wichtigste Therapieform stellte sie die aktive Bewegungstherapie voran. Dabei sind Sportarten wie das Wandern, Schwimmen, Joggen, Nordic Walking aber auch beispielsweise die Feldenkrais-Methode geeignet. Bei der Feldenkrais-Methode stehen die täglichen Bewegungsmuster des Alltags eines Menschen im Vordergrund. Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, diese entsprechend den körperlichen Möglichkeiten zu variieren. Ziel ist es dabei, die Bewegungsmuster so anzupassen, dass am Ende weniger Schmerzen auftreten.

Bei all diesen Bewegungsmethoden ist jedoch am aller Wichtigsten, dass Erschütterungen der Wirbelsäule vermieden werden sollten.

Als Zweites stellt die passive physikalische Therapie in Form von Bestrahlung (Lichttherapie), Elektrotherapie, Lymphdrainage und verschiedenster Massagearten dar. Die Behandlung mit Zitteraalen, welche bereits 47 vor Christus durchgeführt wurde, lässt sich mit der heutigen TENS-Behandlung vergleichen. Nur ist die heutige Methode weniger gefährlich. Als Massageform ist auch die Fußreflexzonenmassage erwähnenswert, da sie dem Betroffenen eine weitere Möglichkeit der Problemerkennung an die Hand gibt. Auch Wickel aus Kohlblättern oder Zwiebeln wirken schmerzlindernd.

Natürlich spielt die medikamentöse Therapie eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Behandlung von Schmerzen. Heute sind die Reihe der Schmerzmittel vielfältig und man sollte nicht erst abwarten, bis die Schmerzen unerträglich werden, sondern frühzeitig zu einem entsprechenden Medikament greifen. Die Kombination von Medikamenten mit der Bewegungs- und der physikalischen Therapie kann vielleicht nicht zu einer Heilung, sehr oft jedoch zu einer enormen Linderung verhelfen.

Auch die alternativen Behandlungsformen wie Akupressur, Akupunktur und die Neuraltherapie sollten als Therapieform ins Auge gefasst werden. Selbst eine Ernährungsumstellung oder Entspannungsübungen (Autogenes Training, Pilates, QiGong u.ä.) könnten hilfreich sein. Zu den neueren Behandlungsformen zählen Medi-Taping, Triggerpunkttherapie, Kohlensäuretherapie oder auch die Procein-Basen-Infusion.

Das Medi-Taping ist die spezifische Art des Tapens, welche eine stimulierende Wirkung auf Muskelpartien, Gelenke, Lymph-, Nerven- und Meridiansysteme erzielt und so den körpereigenen Heilungsprozess beschleunigt.

Die Triggerpunkttherapie hat dagegen als Ziel die Beseitigung sogenannter „myofaszialer Triggerpunkte“. Das sind lokal begrenzte Verhärtungen in der Skelettmuskulatur, die lokal druckempfindlich sind und von denen übertragene Schmerzen ausgehen können.

Aufgrund der interessanten und „menschlichen“ Art, welche Frau Goedeke bei ihren Vorträgen an den Tag legt, verging die Zeit wie im Flug. Ohne großartig Fremdwörter zu verwenden, schafft sie es, die Zuhörer in ihren Bann zu schlagen. Alle waren erstaunt, dass die angesetzten 2 Stunden wie im Flug vergangen waren. Die Referentin stand nach ihrem Vortrag allen noch zu einer interessanten Frage- und Diskussionsrunde zur Verfügung. Man kann nur hoffen, dass die Selbsthilfekontaktstelle, trotz der ungemein knappen finanziellen Mittel, derartig interessante Vorträge noch des Öfteren ins Leben rufen wird.

Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe der DVMB übrigens haben ihre ganz eigene Art und Weise gefunden, mit Schmerzen und allem, was damit zusammenhängt, umzugehen. Funktionstraining in Form von Wasser- und Trockengymnastik in der Gruppe gehören seit fast 10 Jahren zum wöchentlichen Programm. Sie sind nicht nur wichtig für die Erhaltung des derzeitigen Versteifungsgrades, sondern fördern auch die Beweglichkeit und Agilität. Führt doch ihr Freund der Bechterew bei vielen zur Versteifung der Wirbelsäule und beeinträchtigt dadurch die Bewegungsmöglichkeiten. Der amtierende Gruppensprecher betont immer wieder, dass die Gruppe nicht nur den Mitgliedern, sondern auch den Angehörigen ein Halt und Stütze, ja sogar erster Anlaufpunkt bei Fragen rund um ihre Behinderung und die damit verbundenen Schwierigkeiten ist. „Man trifft sich jedoch nicht nur zur Gymnastik“, so betont Holluba. „Nein, auch der alljährliche Nordic-Walking-Tag zum Spanferkelessen, die Weihnachtsfeier oder mehrfach stattfindende Ausflüge oder andere Treffen sind wichtiger Bestandteil unseres Gruppenlebens. Wir finden Zeit füreinander, tauschen uns dabei nicht nur über unsere Krankheit aus.“ Natürlich sind neue Mitglieder oder auch Fördermitglieder jederzeit willkommen!

Text: Ivonne Rammel

 
 
 
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